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Vom Mörser bis zur Sicherheitswerkbank
Kapseln, Ampullen, Schmerzpumpen, Infusionen und Spritzen
„Wir schrecken auch vor schwierigen Rezepturen nicht zurück“. Diesen Satz sagt Apothekerin Ulrike Gulbins aus Erfahrung, selbstbewusst und wissend um die Leistungsfähigkeit des Betriebes, in dem sie arbeitet. In den 15 Jahren ihrer Tätigkeit in der Schloss-Apotheke hat sie einen großen Teil der rasanten Entwicklung des Unternehmens mitgemacht. Medikamente werden hier nicht mehr nur in der traditionellen Rezeptur hergestellt. Mit vier Sterilräumen und modernsten Maschinen verfügt die Apotheke heute über ihre eigene pharmazeutische Produktion.
Ein Quantensprung
Zwar haben in der Apotheke Tiegel, Mörser und Bunsenbrenner nicht ausgedient, doch die Bandbreite, dessen was an Medikamentenherstellung im 50. Jahr ihres Bestehens in der Schloss-Apotheke möglich ist, wurde durch neueste Arbeitsgeräte und Maschinen in zusätzlichen Räumen signifikant erweitert.
Andrea Dumser (PTA) bei der Herstellung von Zytostatika an der Sterilwerkbank mit Co-Pilotin Gabriele Emedike (PTA).
Den Quantensprung in der Leistungsfähigkeit der Apotheke vollzog Dr. Otto Eichele im dritten Stock des Hauses. Hier ist inzwischen eine Sterilabteilung entstanden mit Schleuse und Sterilräumen für die Herstellung von Ampullen und Kapseln.
Derart breit aufgestellt kann Apothekerin Ulrike Gulbins sagen: „Wir finden immer eine Lösung“. Keinen Kunden wolle man unverrichteter Dinge wegschicken. „Wir geben nicht auf. Wir wollen, dass unsere Kunden zufrieden sind.“ Natürlich gäbe es Rezepturen, die man nicht so einfach aus der Schublade ziehen könne, aber: „unser Chef ist derart genial, dem fällt immer noch etwas ein“.
Viel ist Dr. Otto Eichele eingefallen. Bescheiden sagt er: „Wir schauen, was gebraucht wird“ und entdeckt so Bedürfnisse und Marktlücken. Spezialitäten sind die Stärke der Schloss-Apotheke. So gibt es bei homoöpathischen Arzneimitteln bestimmte Potenzen, die selten gebraucht und darum von der Industrie nicht produziert werden. Diese Versorgungslücke deckt die Schloss-Apotheke nun ab. Sie stellt diese Medikamente in ihren eigenen Räumen selbst her.
Lange hat der Apotheker geplant und getüfftelt bis die Sterilabteilung stand. Sie ist gewachsen wie alles in der Apotheke. „Stück für Stück kam immer etwas hinzu an Wissen, an Know-how, an Räumen.“ 2000 baute Dr. Eichele den ersten Sterilraum. 2002 kam ein weiterer, voll klimatisierter Sterilraum für die Produktion von Zytostatika hinzu. Anfang dieses Jahres wurde die Abteilung dann um noch zwei weitere Sterilräume ergänzt. Sicherheitsschleusen schirmen diese Herstellungsräume hermetisch ab.
1.000 Ampullen pro Stunde
Enorme Auflagen sind mit der Inbetriebnahme einer solchen Arzneimittelproduktion verbunden. Neben der behördlichen Abnahme der Sicherheitsräume und der entsprechenden Apparaturen bedarf es natürlich der Herstellungserlaubnis. Dies alles ist erfüllt. Die Produktionsmaschinen sind Einzelanfertigungen. Dr. Eichele hat sie nach seinen Wünschen in Baden-Württemberg bauen lassen. Die Produktion über den Verkaufsräumen der Schloss-Apotheke läuft bereits. Speziell ausgebildete Mitarbeiterinnen arbeiten an den Maschinen, die pro Tag 30.000 Kapseln bzw. pro Stunde 1.000 Ampullen auswerfen.
Hergestellt werden Zytostatika, Schmerzpumpen, Infusionen, Ernährungslösungen für die künstliche Ernährung, sterile Augentropfen, Vitaminampullen, homöopathische Arzneien, Antibiotikapumpen und vieles mehr.
Sonja Stoltmann beim Bedienen der halbautomatischen Ampullenmaschine, die pro Stunde 1.000 Ampullen befüllt.
Immer mit Co-Pilot
In dem Bereich gelten strenge Sicherheitsvorschriften für den Produkt- und Personenschutz. Ehe Andrea Dumser (PTA) an der Sterilwerkbank arbeitet, muss sie Schutzbekleidung und Sicherheitsschuhe anziehen, Mundschutz, Haube und zwei Paar Handschuhe. Die Substanzen, mit denen sie hantiert, um etwa Mittel gegen Krebs herzustellen, dürfen weder auf die Haut kommen noch dem Luftstrom ausgesetzt werden. Bei den komplizierten Arbeitsgängen in den Sterilräumen wird nie alleine gearbeitet. Immer ist ein Co-Pilot dabei. Jedes Medikament durchläuft drei Kontrollen, ehe es in den Verkauf kommt.
Die Tätigkeit im Sterilbereich ist besonders verantwortungsvoll weiß auch Sonja Stoltmann (PKA). Sie ist zuständig für die Ampullen- und Kapselproduktion. Systematisches, präzises Arbeiten, die Bedienung von Maschinen liegen ihr. Alles muss protokolliert und dokumentiert werden.
Die beiden pharmazeutisch-technischen Assistentinnen (PTA) Gabriele Emedike und
Olga Remmele bei der Herstellung der parenteralen Ernährung in der Laminar-Flow-Box